Von Kämpfern

Hallöchen,

Heute möchte ich euch mal mitteilen, was die letzten Tage unser Leben etwas aufgewühlt hat.

Stellt euch vor, euer Vater ruft euch an (er ist auf Montage) und fragt: „Weißt du etwas davon, dass der Opa im Krankenhaus ist und im Sterben liegt?“

Ja, nicht unbedingt sehr einfühlsam. Es war aber in diesem Moment sicher nicht seine Absicht, da er sicher selbst geschockt war.
Von einem Moment auf den anderen fällt plötzlich ein großer Stein auf dich. Wums!!!
Es gab vorher kein Anzeichen, dass ihm irgendetwas fehlt.

Ich muss euch noch kurz dazu sagen, dass mein Opa mir sehr, sehr wichtig ist.
Er ist der liebste Mensch den ich kenne und einer der alles für seine Familie aufgibt.
Ich war schon immer sehr viel bei meinen Großeltern und habe auch den Großteil meines Lebens mit ihnen in einem Haus gelebt.
Mein Opa war immer mehr ein Vater für mich, als meiner es sein konnte.

Aber zurück zum Anruf. Meine Oma hatte meinen Vater angerufen, musste aber erstmal auflegen, da sie ihre Diabetesspritze von der Pflegeschwester bekommen musste.
Sie rief ihn danach aber nochmal an und erzählte mehr. Daraufhin rief mein Vater mich wieder an und ich sollte nochmal bei meiner Oma anrufen, bei der auch meine Tante war.

Gesagt, getan. Ich sprach mit meiner Tante und diese bestätigte es nochmal.
Sie sagte, mein Onkel, meine Oma und sie würden gleich ins Krankenhaus fahren, könnten aber auch noch nichts sagen. Sie würden sich melden, wenn etwas raus ist.

Zu Hause sitzen und warten? Das habe ich genau eine Stunde ausgehalten und bin dann zu meinen Großeltern ins Haus gefahren um dort zu warten.

Circa eine Stunde später waren die drei wieder da. Ich wusste, dass er lebt. Das habe ich ihnen angesehen.
Meine Tante erzählte: „Der Opa hatte einen Herzinfarkt, wahrscheinlich einen Verschleppten. Er liegt jetzt im künstlichen Koma und wir müssen mit allem rechnen.“

Wums! Herzinfarkt? Mein Opa ist 85 Jahre alt. Er war Kriegsgefangener, hat zwei seiner Kinder überlebt, hatte Prostatakrebs und hat einen Herzschrittmacher. Und jetzt auch noch einen Herzinfarkt? Warum müssen die besten Menschen nur so viel mitmachen?

Es hieß jetzt, die Nacht entscheidet. Also ab nach Hause und abwarten. Ich hasse abwarten!

Am nächsten Tag fuhren meine Oma, meine Tante und mein Vater ins Krankenhaus.
Sie hatten ihn aus dem künstlichen Koma geholt, er konnte sprechen, war an vielen Kabeln und seine Lage war nicht stabil.

Tags darauf fuhren meine Cousine und ich mit meiner Oma ins Krankenhaus (Ich fuhr jeden zweitenTag hin).
Er schlief leider die ganze Zeit (auf der Intensivstation ist die Besuchszeit nur eine halbe Stunde) und hatte eine große Make zur Beatmung auf dem Gesicht. Das Geräuch war schrecklich, so ein Fietschen.

Der Arzt teilte uns mit, dass der Herzinfakt irgendwann in den letzten 48 Stunden vor Einlieferung geschehen sein muss. Durch den Herzschrittmacher ist er wahrscheinlich ziemlich unbemerkt vorüber gegangen.
Aber das war nicht alles. Er hatte auch einen Schlaganfall!
Herzinfarkt und Schlaganfall gleichzeitig? WTF?
Mrt konnte leider noch nicht durchgeführt werden, da es nicht möglich war, meinen Opa flach hinzulegen, da er wieder kollabiert war.

Wums! Im Gedächtnis geblieben ist meiner Oma ihr Satz: „Das hat er nicht verdient!“ Das hat er nicht.

Am nächsten Tag war er wieder ansprechbar und das Hirn konnte gescannt werden, was den Schlaganfall bestätigte.
Den Tag davor war er kollabiert, weil sich Wasser unter dem Herzen gesammelt hatte, was abgepumt wurde.

Wenn ich da war, merkte ich , dass ihm das Sprechen manchmal schwer viel und das er ein wenig verwirrt war.

Wir waren unglaublich überrascht, als er eine Woche nach der Einlieferung auf die normale Station verlegt wurde.

Da lag er dann, ohne Kabel und ohne Monitor. Noch ziemlich geschafft und hat viel geschlafen, aber auch viel geredet.
Manchmal hat er etwas gebraucht um zu antworten, aber dann ging das Sprechen wieder sehr flüssig.

Heute war ich wieder da. Es ist jetzt eine Woche und zwei Tage her und die Fortschritte sind enorm.
Herzinfakt, Schlaganfall, künstliches Koma und heute stand er schon wieder im Zimmer.
Unglaublich was ein Körper in diesem Alter noch leisten kann.

Lesen, Schreiben und Assoziieren klappt gut, dass haben wir heute live mitbekommen als die Logopädin da war.

Es war ein rießiger Schock, aber wir hoffen das Beste. Das ihm noch einige Jahre bleiben, denn das hätte er verdient!

9 Gedanken zu “Von Kämpfern

  1. Wow, Dein Opa scheint ein wahrer Kämpfer zu sein & hat noch ein paar schöne, mehr oder weniger gesunde Jahre verdient :-*
    Nach dem Krankenhaus geht er bestimmt auf Rehabilitation oder?
    Mein Opa hatte 2009 Darmkrebs, woran in seiner Familie sehr viele gestorben sind. Zwischen Klinik & Anschlussheilbehandlung durfte er für 3 Tage nach Hause, wo er Nachts im Bad ohnmächtig & mit einer Lungenembolie wieder eingeliefert wurde. In der Klinik folgten 2 Wochen künstliches Komma, ein offener Bauch, weil sich dort Blut gesammelt hatte und mehrere Herzstillstände. Ich war zu dem Zeitpunkt in einer Klinik am anderen Ende Deutschlands und konnte erst eine Weile später nach Hause fahren.
    Extrem schmal und schwach lag er an sämtliche Geräte angeschlossen & mit gastronasaler Sonde auf Ist, hat aber die ganze Zeit meine Hand genommen und gestreichelt. Mehr konnte er nicht.

    Die Zeit hatte in seinem Gehirn deutliche Spuren hinterlassen, doch er durfte trotz erneutem Krebs noch 4 glückliche Jahre mit uns verbringen und hat klein Bambi noch fast ein komplettes Jahr erlebt. Oh wie hat er die Kleine geliebt und sie ihn.

    Ich will Dir damit etwas Mut machen & zeigen dass es möglich ist :-*

    • Danke für deine Worte.
      Da hatte dein Opa aber auch viel mitmachen müssen. 😦
      Tut mir Leid.
      Wir hoffen auch auf noch ein paar gute Jahre. Zur Reha muss er wohl nicht, da er wahrscheinlich keine Schäden davongetragen hat. Also er kann alles bewegen, laufen, sprechen und lesen. Wahrscheinlich kommen aber Betreuer vorbei.

  2. Liebe Steff, ich lese erst jetzt was genau vorgefallen ist und freue mich über die sehr positive Wendung in deinem Posting. Wahrlich, dein Opa ist ein großer Kämpfer und wird auch weiter so stark sein, nachdem er das alles geschafft hat. Ich wünschte meine Tante hätte es auch geschafft, sie war für mich auch wie eine Mutter (kann also verstehen wie du dich gefühlt haben musst) und verstarb vor ein paar Monaten sehr unerwartet. Und das Leben geht immer weiter. Ich wünsche euch jedenfalls eine sehr schöne lebensfrohe Zeit mit ihm ❤

    • Das tut mir sehr Leid mit deiner Tante. 😦
      Schlimm, wenn man weiß (oder denkt), dass man loslassen muss.
      Ich danke dir sehr für deine Worte.
      Mein Opa kann übrigens morgen nach Hause.
      Ich bin gespannt wie alles läuft und wie die Beiden alles hinbekommen.

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